Ralf Grothusen (»Grobi«), Dipl. Informatiker, Berufsschullehrer, Falke seit dem 17. Lebensjahr, tätig in verschiedenen Funktionen, u. a. Mitgründer des Queerforums der Falken und Mitglied im Landesjugendhilfeausschuss: »Eine Bewegung braucht nicht nur Ziele, sondern auch ein Gedächtnis. Ohne »Woher« kann es auch keine klare Vorstellung vom »Wohin« geben. Außerdem bin ich sammelwütig und freue mich, dass mir auf diesem Gebiet Andere die Arbeit abnehmen«. |
| Mitteilungen Ausgabe 2010-I |
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Wer heute von der Arbeiterjugend spricht, muss vor allem die jungen Migrantinnen und Migranten im Blick haben. In Westdeutschland haben in vielen Städten mehr als ein Drittel der jungen Menschen einen Migrationshintergrund. Und es sind vor allem diese Jugendlichen, die die Haupt-, Real- und Gesamtschulen besuchen und deren Lebensweg von der Schule in eine Berufsausbildung und nur zu einem geringen Teil in ein Hochschulstudium mündet. Unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist zudem die Zahl derer, die keinen Hauptschulabschluss bekommen, mit 18 Prozent doppelt so hoch wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Der Übergang von jungen Migrantinnen und Migranten in die Ausbildung gestaltet sich oft noch schwieriger. Die Ursachen sind vielfältig: Viele Migrantinnen und Migranten wurden in den sechziger und siebziger Jahren als Arbeitskräfte für die Industrie und für einfache Dienstleistungen angeheuert. Aber gerade deren Arbeitsplätze wurden abgebaut oder werden heute so schlecht bezahlt, dass gerade sie von Armut und damit auch mangelnden Bildungschancen in unserem Bildungssystem besonders betroffen sind. Erst nachdem sich die Politik und die Gesellschaft in Deutschland dazu durchgerungen haben, anzuerkennen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass die Zukunft unserer Gesellschaft wesentlich davon geprägt sein wird, wie Integration auf der Basis von Menschenwürde und Gerechtigkeit gelingt, hat ein Umdenken begonnen. Dabei ist dieses Umdenken aus historischer Perspektive auch ein sich – bewusst – machen der eigenen Vergangenheit. Denn Deutschland war immer schon ein Einwanderungsland. Ohne die polnischen Arbeitskräfte z. B. hätte es keine Industrialisierung an Rhein und Ruhr gegeben. Dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung kommen in diesem Zusammenhang zwei Aufgaben zu: Zeugnisse zu sammeln und aufzubereiten, über die Arbeiterjugend mit Migrationshintergrund in der Vergangenheit, und die politische und gesellschaftliche/gewerkschaftliche Selbstorganisation der jungen Migrantinnen und Migranten in der Gegenwart zu dokumentieren. Wie wir uns in einem ersten Schritt diesen Aufgaben stellen, dokumentieren diese Mitteilungen. Damit verbunden ist die Bitte an die Leserinnen und Leser, zu diesem Thema mit Hinweisen beizutragen. |
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 18:21 Uhr |








