Heike Langneff, Pensionärin, seit 1952 Mitglied bei den Falken in vielen verschiedenen Funktionen: »Ich bin Mitglied im Förderkreis, weil mir die Geschichte der Arbeiterjugendbewegung, ihrer Verbände, der Vereine und Einrichtungen wichtig ist. Die vorhandenen Unterlagen dürfen nicht verloren gehen. Auch unser Nachwuchs und die kommenden Generationen sollen nachlesen können, woher wir kommen und wie der Verband sich entwickelt hat, denn aus der Geschichte kann man/frau lernen. Das Archiv ist auch ein Ort des Erinnerns« |
| Mitteilungen Ausgabe 2011-I |
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Editorial Unsere Mitgliederversammlung am 23. Januar 2011 war gut besucht. Viele Genossinnen und Genossen, die nicht an der Archivtagung teilnahmen, kamen dann zur Versammlung, um sich dort über das Archiv zu informieren. Der neue Vorstand ist fast der alte. Neu hinzugekommen sind Barbara Klatzek, bis Juni stellvertretende Bundesvorsitzende der SJD – Die Falken, sowie Kay Schweigmann- Greve aus Hannover. Um den Förderkreis in noch mehr Regionen zu verankern, soll ein Genosse oder eine Genossin aus Bayern und aus den neuen Bundesländern angesprochen werden. Zudem wird der Vorstand des Förderkreises am 26. November 2011 im neuen Luise & Karl Kautsky-Haus der Falken in Berlin tagen und lädt in diesem Rahmen alle Mitglieder des Förderkreises zu einer Informationsveranstaltung ein. Nähere Informationen werden über unsere Homepage im Internet abrufbar sein (www.arbeiterjugend. de). Die vorliegende Nummer der Mitteilungen versammelt in ihrem Schwerpunktteil Artikel, die zum überwiegenden Teil auf den bei der diesjährigen Archivtagung im Januar gehaltenen Referaten beruhen. Die Tagung handelte von geschlechterpolitischen Prozessen und Diskussionen bei den Falken zwischen 1945 und 1990. Ergänzt werden diese Artikel durch einen Beitrag von Kay Schweigmann-Greve, der von einer thematisch ähnlich ausge- richteten Tagung im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein berichtet. Der Haupttitel der Tagung, Von Mädelarbeit, Frauenquote und Doppelspitze, stellte die Frauen in den Mittelpunkt der Betrachtungen, allerdings zielte die Tagung auf die weiterreichende Frage nach der Konstruktion der Geschlechter innerhalb der Arbeiterjugendbewegung generell. Dafür wurde der in der Sozialwissenschaft und historischen Geschlechterforschung mittlerweile gängige Begriff Gender eingeführt. Kristin Witte (Berlin) verdeutlichte in ihren Referaten, die zu denjenigen gehören, die leider in diesem Heft fehlen, dass unter Gender das sozial konstruierte Geschlecht zu verstehen ist. Die Arbeit mit diesem Begriff löst die Frage nach dem Verhältnis von Mann und Frau aus einer bipolaren Konfrontationsstellung und zeigt, dass für die Identitäten von Frauen und Männern, auch für ihr jeweiliges Geschlecht, viele verschiedene Faktoren maßgeblich sind, sowohl kulturell geprägte Vorstellungen von Geschlechterrollen, als auch objektive soziale Herrschafts- und Machtverhältnisse. Wie fruchtbar die Schärfung des Blicks durch diesen Begriff sei kann, zeigten die engagierten Diskussionen über das Prinzip der Koedukation im Verband. Das mit der Koedukation postulierte Ideal von Kameradschaft von Bub und Mädel behauptete normativ eine Gleichheit der Geschlechter, die es faktisch nicht gab, und machte die Jungen zum Maßstab für das Verhalten der Mädchen. Jule Fiebelkorn (Berlin) sah darin ein immer noch wirksames Prinzip in der Jugendverbandsarbeit und plädierte für eine feministisch orientierte Jugendpolitik. In ihrem historischen Exkurs zeigte sie, dass bereits der Begriff der Jugend, z. B. in der Tradition Erik Eriksons verstanden als psychosoziales Moratorium, auf weibliche Jugendliche lange Zeit nicht zutraf, die durch ihre inner- familiäre Einführung in die Aufgaben der Hausarbeit und eine rigide moralische Kontrolle weiblicher Sexualität keinen Freiraum für Experimente im Übergang zur Erwachsenenwelt hatten. Dass sich viele Diskussionen während der Tagung doch um die Mädchen und Frauen des Verbandes drehten, liegt an dem geringen Stand der Aufarbeitung dieser Geschichte. Die Teilnehmenden der Tagung waren sich einig, dass künftig noch mehr auch die Jungen und Männer in den Blick genommen werden müssten, um die Geschichte der Geschlechter in der Arbeiterjugendbewegung richtig zu verstehen. Im Mittelpunkt der nächsten Tagung steht die Praxis der Gruppenarbeit. Dabei sollen nicht in erster Linie die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen und pädagogischen Konzepte diskutiert werden, die bereits in der letzten Ausgabe der Mitteilungen vorgestellt wurden, sondern die Frage, wie Gruppenarbeit die Verbandsmitglieder in ihren Einstellungen, Haltungen, in ihrem Bewusstsein verändern konnte. Dazu werden einige von euch in den nächsten Monaten auf der Basis eines Gesprächsleitfadens befragt und die Ergebnisse dann auf der Tagung präsentiert, aber mehr noch als unverzichtbare Quellen für die Geschichte der Arbeiterjugendbewegung im Archiv aufbewahrt. Wer darüber hinaus zu unserer Geschichte beitragen will, ist herzlich eingeladen, an der Falconpedia mitzuarbeiten und als Einführung den Text von Manfred Wientgen zu lesen. |
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 17:30 Uhr |







